Refluxchirurgie

Die Refluxkrankheit ist die häufigste, gutartige Erkrankung des Magen-Darm-Traktes weltweit. Der Begriff Reflux bezeichnet den Rückfluss des säurehaltigen Mageninhalts in die Speiseröhre. Eine Refluxkrankheit liegt vor, wenn deshalb entweder Beschwerden auftreten oder die Schleimhaut der Speiseröhre sich verändert. Der Fachbegriff für die Speiseröhre ist Ösophagus. Entzündet sich die Schleimhaut des Ösophagus aufgrund der Reizung durch die aggressive Magensäure, spricht man von einer Refluxösophagitis. Ca. 10-20% der Deutschen sind von dieser Erkrankung betroffen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Das Auftreten der Refluxkrankheit nimmt mit steigendem Alter zu. 40% der Bevölkerung leiden einmal pro Monat an Refluxbeschwerden, 7%  täglich.

Neben saurem Aufstoßen gehören auch Sodbrennen und ein Druckgefühl hinter dem Brustbein zu den klassischen Symptomen. Die dauerhafte Reizung der Speiseröhrenschleimhaut begünstigt eine bakterielle Besiedlung, was zu einem sehr unangenehmen Mundgeruch führen kann. Auch können durch die erhöhte Säurebelastung der Zähne irreversible Zahnschmelzdefekte oder Karies entstehen. Gelangt der zurückfließende Mageninhalt in die oberen Atemwege können Kehlkopfentzündungen, Heiserkeit oder gar eine Lungenentzündung die Folge sein. Tritt in Zusammenhang mit den oben aufgeführten Symptomen zusätzlich eine schmerzhafte Schluckstörung, Gewichtsabnahme, Blutarmut oder ein Leistungsknick auf, so kann es sich um eine fortgeschrittene Reflux- oder gar Tumorerkrankung handeln. Betroffene sollten unverzüglich einen Arzt aufsuchen.

In den meisten Fällen löst eine Funktionsstörung des unteren Speiseröhren-Schließmuskels (UÖS) die Refluxkrankheit aus. Seltener liegt die Ursache in einer herabgesetzten Beweglichkeit der Speiseröhre. Auch eine vermehrte Magensäureproduktion durch bestimmte Nahrungsmittel (Kaffee, süße oder fettige Speisen) oder Stress können einen Reflux auslösen. Ebenso sind Tabakrauch und Übergewicht als auslösende oder begünstigende Faktoren einer Refluxerkrankung bekannt. Über 90% aller Refluxpatienten haben einen Zwerchfellbruch. Durch die Erweiterung der Zwerchfellschenkel, an dem der untere Schließmuskel der Speiseröhre beim Gesunden fixiert ist, wird dessen Funktion beeinträchtigt. Durch die so entstehende Lücke kann sich der obere Magenanteil in den Brustkorb bewegen. Dies führt zu einer Aufdehnung des Speiseröhren-Schließmuskels (UÖS), was wiederum den Übertritt sauren Mageninhalts in die Speiseröhre begünstigt.

Ein ausführliches Anamnesegespräch sowie eine detaillierte Schilderung der Beschwerden sind wichtig, um gezielt erforderliche diagnostische Maßnahmen in die Wege leiten zu können. Zum Ausschluss herzbedingter Brustschmerzen sollte ein EKG oder Belastungs-EKG durchgeführt werden. Die wichtigste Untersuchung im Rahmen der Abklärung einer Refluxkrankheit ist die Spiegelung der Speiseröhre und des Magens (ÖGD). Im Rahmen dieser Untersuchung können mit einer Kamera entzündliche Veränderungen, Geschwüre oder gar Tumoren gesehen und Gewebeproben zur Untersuchung entnommen werden.  Zur erweiterten Abklärung können eine 24 Stunden pH-Metrie (Säuremessung in der Speiseröhre) sowie ein  Ösophagusmanometrie notwendig werden.

Sowohl die medikamentöse als auch die chirurgische Therapie können bei einer Refluxerkrankung erfolgreich sein. Die konservative Therapie  beinhaltet neben einer Änderung der Essgewohnheiten, Gewichtsabnahme und Stressvermeidung vorrangig säureblockierende Medikamente (PPI). Hilft das nicht oder ist eine lebenslange medikamentöse Therapie nicht gewünscht, ist mit der laparoskopischen Fundoplikatio (nach Toupet) eine schonende Operation möglich. Durch die minimalinvasive Vorgehensweise mit kleinstmöglichen, 5 mm großen Arbeitskanälen und durch den Einsatz von Bipolar- und Ultraschalltechnik ist das Verfahren für den Patienten besonders schonend. Über fünf kleine Hautschnitte werden die Operationsinstrumente und die Videokamera eingeführt. Neben der Herstellung einer Magenmanschette („Fundoplikatio“) im unteren Speiseröhrenbereich erfolgt die Versorgung des Zwerchfellbruchs mit Verschluss der Bruchlücke (Hiatoplastik) und Implantation eines titanbeschichteten Netzes, das exakt für diese Anwendung entwickelt wurde.

Bei der Bildung der Magenmanschetten ziehen wir die Methode nach Toupet (270° Manschette um die Speiseröhre) vor. Im Vergleich zu Nissen-Methode (360° Manschette) kommt es hier bei gleichem Heilungserfolg seltener zu früh-postoperativen Schluckstörung und der „Gas-Bloat“-Symptomatik (unangenehmes Völlegefühl im Oberbauch mit erschwertem Aufstoßen ).

Der Eingriff ist schmerzarm, der Krankenhausaufenthalt beträgt nur wenige Tage und die Patienten können bereits nach kurzer Zeit ihr gewohntes Leben wieder aufnehmen. Für detaillierte Informationen stehen wir Ihnen im Rahmen unserer Reflux-Sprechstunde  Mittwoch 08:30 bis 15:30 Uhr gerne zur Verfügung und nach Vereinbarung.

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Facharzt für Chirurgie, Viszeralchirurgie und Spezielle Viszeralchirurgie, Zusatzbezeichnung Proktologie

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